Die Band

„You Are So Me“ begannen im Sommer 2005 in einem Architekturbüro mit der persönlichen Beantwortung der Frage: „Was ist Deine Musik?“
Nachdem das Thema Jazz als Grundlage für zeitgemässen Lebensgefühlausdruck seit langer Zeit abgefrühstückt ist, quasi „individuelle“ Bekenntnisse zu Indie Rock- und Punkattitüden durch die Rundum Medialisierung zunehmend peinlich werden, bleibt eigentlich nichts mehr übrig, was man als Erster entdecken, als Einziger für sich haben kann. Was bleibt ist, kraftvoll den Kopf in den Sand zu stecken und seine Welt auf einen Radius zu begrenzen, in dem man den Überblick behält.

Das ist, was „You Are So Me“ macht: Musik spielen, die gespielt werden muss, egal ob sie neu oder alt ist, ob sie hip oder square ist – das allerdings mit Hochdruck.

Seit 2008 bestreitet das Trio verschiedenste Konzerte in Kneipen, Schrebergärten, Bunkern, Clubs und ja auch Festivals – manchmal auch mit Gästen. Kompositionen von Klare und Siegel bieten den Startpunkt für profundes Ausloten der Ausdrucksmöglichkeiten. Siegels außergewöhnliche Sounds, Klares hochenergetisches Spiel werden virtuos hochgekocht von Camattas unausweichlichem Drumdruck. Bisher hat das Publikum immer geklatscht.

Klare

Jan Klare spielte zunächst mit Jörn und Dirk Klare, Rainer und Jürgen Wolf und auch Helge Reuter, und das schon sehr früh. Später veröffentlichte er diverse CDs unter eigenem Namen, gewann einige Preise – u.a.: Erster Preis Jazzmatch Dortmund ´94, Jazzpodiumspreis Niedersachsen ´98/ 2000, Westfalenjazz Preis 2001. Preisträger “Mixed Media – das Verweben der Künste”, Bielefeld 2002. Weiterhin bestritt er Projekte im Theaterbereich, Literaturprojekte, Elektronische Musik, Tanzproduktionen, Stummfilmvertonungen. Er war Initiator einer Konzertreihe mit musikalischen Großprojekten, Kurator für “Solo Virtuos” Gelsenkirchen 2001, künstlerischer Leiter des Real Book Zyklus und seit 2006 Leiter des Orchesters “The Dorf” im Dortmunder Domicil.

Siegel

Oliver Siegel, geboren 1972 in Wattenscheid; Synthesist, Organist, Akkordeonspieler, Pianist, Bassist, Produzent und vor allem Klangfetischist, ist immer auf der Suche nach dem einen, dem universellen Schallereignis – bisher ohne nennenswerten Erfolg. Stationen dieser Suche waren Bands in so unterschiedlichen Bereichen wie Elektronische Musik, Alternative, Pop, Avantgarde, Neue Kammermusik oder Improvisierte Musik, zahlreiche CD-Produktionen sowie Bühnenmusik und Klanginstallationen für Tanz/Theater/Performance. Die Suche wird enden in Stille.

Camatta

Simon Camatta wurde 1976 in Essen geboren. Mit 11 Jahren bekam er sein erstes Schlagzeug zu Weihnachten. Er studierte Jazz an der Folkwang Hochschule Essen. Seit über 15 Jahren spielt er in den unterschiedlichsten Bereichen in den halben Welt. Zur Zeit mit The Dorf, You Are So Me, Yellow Snow Crystals und vielen anderen sowie vermehrt Solo. Ausserdem ist er regelmäßig am Theater Oberhausen und dem Schauspiel Essen aktiv.  Aktuelle CDs: The Dorf-Le Record(Leo Rec), The Yellow Snow Crytals-Zappn (konnex)

Die CD

Das jüngste Projekt „You Are So Me“ des Saxophonisten Jan Klare aus Münster überrascht mit einem direkten, alles andere als wohlgefälligem, harten Sound, den das Drei-Mann-Ensemble (Klare, Oliver Siegel, Simon Camatta) mit Synthesizer, Drums sowie Klares Bläserequipment ins Ohr setzt. Größtmögliche Freiheit bedeutet für das Trio, den Nebenmann stetes mitzunehmen ins Klanggetümmel aus Funkversatzstücken, Hardbop-Reaktionen und gruppenkollektiver Wiederholungsszenarien (wie im Titelstück „It“). Neben dem Bigbandprojekt „The Dorf“ und dem Ensemble „1000“ zählt das jüngste Klare-Kind „You Are So Me“ zu seiner Hauptband. Der Dreier stürzt sich angstfrei in die Interpretation zeitgenössischer Jazz- und Improvisationsmusik, zerreibt nahezu jeden Kompromiss und schafft durch ein Höchstmaß an Druckluftverdrängung – Ton an Ton reihen und ihn mit Nachdruck ins Gehör bringen. ****
Klaus Hübner, Westzeit April 201

You Are So Me begeistern im Jazzclub Cave 61

Heilbronn – Er ist schon ein liebenswerter Zeitgenosse dieser Jan Klare. Man muss ihn einfach mögen, ganz besonders seinen Sinn für schwarzen Humor. Wem sonst würde es einfallen, seine Band Deep Schrott zu nennen oder Das böse Ding? Jetzt ist er mit einem neuen Projekt unterwegs. You are so me hat der Saxofonist sein neues Trio − drei Mutanten ganz in Weiß proben den Aufstand − genannt. Simon Camatta ist sein Filigran-Schlagwerker, Oliver Seidle, der Mann mit der Ausstrahlung eines Sandmännchens, seine Kraft am Synthesizer.

Im schlecht besuchten Jazzclub Cave 61 machten die drei sympathischen Aliens, die einem B-Movie entsprungen sein könnten, nun Station. Allerlei Elektronisches packen sie aus. Doch so viel technischer Schnickschnack sei ihnen gegönnt. Grandioses haben sie vor. Unter der Quadratur des Kreises machen sie es nicht: You are so me, auszusprechen mit leicht japanischem Zungenschlag Yuasomi, will, basierend auf dem traditionellen Hardbop, Jazz mit dem Punk der 70er Jahre versöhnen. Doch damit nicht genug: Endlich soll der Synthie-Jazz ein menschliches Antlitz bekommen, Elemente der Neuen Musik sollen in den Jazz integriert werden.
Wie im Fieberwahn spielen sie schließlich auf. Jan Klare, der seinem monströsen Bass-Saxofon ein wunderbar sanftes Grollen entlockt, Synthie-Mann Oliver Seidle, der mit traumwandlerischer Sicherheit einfach nur da ist, Simon Camotta, der wache Kopf, der You are so me rhythmisch zusammenhält.
Zwei lange Sets nimmt You are so me den Zuhörer mit auf seine Geisterbahnfahrt. Ahnungen von Rimski-Korsakows “Hummelflug” tauchen auf und verschwinden. Schräg und ganz schön beunruhigend.

Stimme, Heilbronn Michaela Adick 25.5.2011